Nina wollte ein Kind, aber keine klassische Beziehung

Nina wollte ein Kind, aber keine klassische Beziehung.
Symbolfoto

Als ich mich 2021 bei Familyship angemeldet habe, wusste ich noch nicht, wie sehr diese Entscheidung mein Leben verändern würde. Heute leben wir zu dritt zusammen: Steffen, Nina und unser Kind Milo, der inzwischen fast drei Jahre alt ist (*die Namen wurden redaktionell geändert).

Kennengelernt haben wir uns Anfang Januar 2022 über Familyship, und schon im Juni 2023 kam unser Kind zur Welt. Wir haben das gemeinsame Sorgerecht und kümmern uns ungefähr im 50:50-Modell um Milo.

Im ersten Jahr haben wir überwiegend in meiner Wohnung gelebt. Als später die Betreuung im Wechselmodell anstand, haben wir uns entschieden, zusammenzuziehen. Wir führen keine romantische Beziehung, sondern leben eher wie in einer WG zusammen. Für unser Kind bedeutet das trotzdem ein Aufwachsen in einem familiären Verbund, und genau das fühlt sich für mich sehr stimmig und schön an.

Schon bei unseren ersten Treffen haben wir schnell über die wichtigen Themen rund um Familie und Erziehung gesprochen. Wir sind auch gemeinsam in den Urlaub gefahren und haben danach eine Art Vereinbarung aufgeschrieben, in der wir festgehalten haben, was uns wichtig ist und wie wir mit bestimmten Fragen umgehen möchten, zum Beispiel bei Religion, Impfungen oder grundlegenden Werten in der Erziehung.

Nina wollte ein Kind, aber keine klassische Beziehung.

„Ich habe mich sehr bewusst für diese Familienform entschieden und sie nicht nur als Ausweichlösung gewählt.“

Nina* über ihre Solo-Mutterschaft in einer Co-Elternschaft


Der Wunsch nach einem Kind war schon länger da. Ich hatte auch immer wieder darüber nachgedacht, ob ich diesen Schritt vielleicht mit einem guten Freund gehen könnte. Gleichzeitig bin ich kein klassischer Beziehungsmensch. Die Nähe und Enge, die gesellschaftlich oft mit einer Partnerschaft verbunden ist, fühlt sich für mich schnell zu viel an. In meinem Freundeskreis hat sich aber niemand gefunden, der sich diesen Weg ebenfalls vorstellen konnte. So bin ich schließlich auf Familyship gestoßen und habe dort nach einer passenden Co-Elternschaft gesucht.

Nina über die Licht- und Schattenseiten ihrer Elternschaft

Die größte Lichtseite dieses Weges ist für mich ganz klar, dass ich überhaupt Mutter werden konnte. Außerdem war mir sehr wichtig, dass mein Kind einen Vater hat, der aktiv Teil seines Lebens ist und nicht nur durch eine Samenspende entstanden ist. Gleichzeitig habe ich mehr Freiräume und Zeit für mich als in einem klassischen Familienmodell. Eine echte Schattenseite fällt mir persönlich schwer zu benennen. Ich habe mich sehr bewusst für diese Familienform entschieden und sie nicht nur als Ausweichlösung gewählt. Natürlich gibt es auch bei uns Diskussionen und unterschiedliche Meinungen, aber das gehört zu jeder zwischenmenschlichen Beziehung dazu.

Ohne Familyship hätten wir uns sehr wahrscheinlich nie kennengelernt. Die Plattform hat also eine entscheidende Rolle dabei gespielt, dass unsere Familie überhaupt entstehen konnte.

„Nehmt euch Zeit für die Suche“

Wenn ich anderen Menschen mit Kinderwunsch etwas mitgeben würde, dann vor allem das: Nehmt euch Zeit für die Suche nach der richtigen Person. Ich hatte großes Glück mit der Wahl des Vaters für mein Kind. Für uns beide steht das Wohl unseres Kindes an erster Stelle, und ebenso ein respektvoller Umgang miteinander. Ich habe aber auch Geschichten gehört, in denen die Zusammenarbeit der Eltern schwierig geworden ist. Am Ende leidet darunter oft das Kind. Deshalb lohnt es sich, vieles vorher offen zu besprechen und sich gut kennenzulernen. Und wenn sich etwas komisch anfühlt, sollte man dieses Gefühl ernst nehmen und darüber sprechen. Gerade als Frau sollte man sich bewusst machen, dass man sein Kind später auch einer Person anvertraut, die am Anfang einmal ein Fremder war. Umso wichtiger ist es, sich bei dieser Entscheidung wirklich sicher zu fühlen.